Schloss Drottningholm

Das königliche Schloss Drottningholm befindet sich auf der Insel Ekerö im malerischen Mälarsee, ungefähr zehn Kilometer westlich von Stockholm. Die Königsfamilie wohnt seit 1981 in dieser historischen Residenz. Diese ist am besten mit einem Pendelschiff über den  zu erreichen. Das Schloss wurde im 17. und 18. Jahrhundert durch verschiedene Könige nach französischen Vorbildern gestaltet. Besondere Inspirationen lieferte das prächtige Schloss Versailles.

UNESCO Weltkulturerbe

Seit 1991 ist Schloss Drottningholm Teil der UNESCO Welterbeliste, denn kaum ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert ist so gut erhalten wie die Residenz der schwedischen Königsfamilie. Laut UNESCO bildet das Schlossgelände zusammen mit dem Schloss, Schlosspark, China-Schloss und Barock-Theater eines der am besten erhaltenen Beispiele für ein königliches Schloss aus dem 18. Jahrhundert. Zugleich steht es repräsentativ für die europäische adlige Architektur dieser Epoche. Dabei wird die Inspiration von Schloss Versailles explizit hervorgehoben.

Alles andere, als eine langweilige Besichtigung

Schloss Drottningholm lässt sich am besten über geführte Bootstouren erkunden, die in der Regel fünf Stunden dauern. Alle, die bisher der Meinung waren, Schlossbesichtigungen sind langweilig, werden diese nach einer Besichtigung von Schloss Drottningholm sicherlich ändern. Das Barockschloss aus dem späten 16. Jahrhundert war ein Geschenk König Johann III an seine Frau Katharina. Mit diesem Geschenk aus Liebe zu seiner Frau war der schwedische König der Initiator des Schlossbaus.

Der bemerkenswerte Name Drottningholm bedeutet übersetzt „Königinnen Insel“, denn das Schloss diente als Rückzugsort der Königin. Der Grundstein dieses prächtigen Schlosses wurde bereits 1580 gelegt. Allerdings brannte das ursprüngliche Schloss König Johnanns 1661 nieder. Das Schloss in seiner heutigen Form wurde nach den Plänen Nicodemus Tessin des Ältern erbaut. Dieser war ein Anhänger des französischen Barocks und des Sonnenkönigs Friedrich des Großen, was in der Architektur sehr gut zu erkennen ist. Daher wird der schwedische Königssitz auch als das „kleine Versailles“ bezeichnet.

Aus dieser Zeit stammt das monumentale Treppenhaus aus italienischem Stuckdekor und den Malereien des Künstlers David Klöckner Ehrenstrahl, dem der „Ehrenstrahlsalon gewidmet ist. Zahlreiche Marmorstatuen und das Paradeschlafzimmer von Hedwig Eleonora runden dieses Kunstwerk ab. Die Schlossanlage in ihrer heutigen Form existiert seit 1668, wurde bis dahin jedoch nicht komplett fertiggestellt. So zeigt diese Schlossanlage auch kein homogenes Konzept, sondern ist vielmehr eine Zeitzeugin unterschiedlicher Plan- und Bauphasen, die bis 1777 durchgeführt wurden.

Der Schlosspark

In diesem Jahr übernahm König Gustav III das Schloss. Er ließ nicht nur den Schlossbau erweitern, sondern ergänzte den barocken Schlosspark nach französischem Vorbild durch einen romantischen Naturpark mit englischen Elementen. Es ist herrlich entspannend, durch den weitläufigen Park zu spazieren, der durch kleine Teiche, Inseln, Kanäle, Brücken und Linden-Alleen geprägt ist. Der Barockgarten war jedoch nicht immer so schön wie heute, denn im 19. Jahrhundert wurde er vernachlässigt und verfiel zusehends. Das Ideal einer gezähmten Natur mit symmetrischen Linien und strengen Formen wurde erst ab den frühen 1950er-Jahren auf Initiative König Gustaf IV Adolf wiederhergestellt.

Das Zentrum bildet eine Herkulesfontäne, die wie alle weiteren Statuen gleichfalls vom Bildhauer Adriaen de Vries geschaffen wurde. Ergänzt werden diese Kunstwerke durch Kopien antiker italienischer Marmorstatuen, die Gustav III von einer Italienreise mitbrachte. So wurde die ursprüngliche Schlossanlage innerhalb von 100 Jahren schrittweise durch mehrere Elemente erweitert, die die Vorlieben der jeweils an der Macht befindlichen schwedischen Könige wiederspiegeln.

Schöne Künste und Wissenschaft

Ihre Spuren haben auch Nicodemus Tessin der Jüngere und Prinzessin Luise Ulrike von Preußen hinterlassen. Die Prinzessin läutete ab 1744 ein beeindruckendes Zeitalter der schönen Künste ein, während Tessin der Jüngere die nicht minder beeindruckende Galerie Karl XI erschuf. Große Teile des Schlosses wurden im französischen Rokokostil umdekoriert. Ein beeindruckender Zeitzeuge ist das opulente „Grüne Gemach“. Louise verschrieb sich jedoch nicht nur den schönen Künsten, sondern auch der Wissenschaft. Zahlreiche Wissenschaftler gaben sich die Klinke in die Hand und beschäftigten sich mit der Aufarbeitung der königlichen Naturaliensammlung. Die große Bibliothek ist ein glanzvolles Zeugnis dieser wissenschaftlichen Schaffenskraft.

So können Besucher die Entstehungsgeschichte von Schloss Drottningholm anhand einzelner Bauten sowie verschiedener Gärten und unterschiedlich gestalteter Parkanlagen nachvollziehen. Sie erleben ein Schloss, in das die unterschiedlichen Vorstellungen seiner Besitzer eingeflossen sind. Daher gibt auf einer Besichtigungstour durch Schloss Drottningholm viele interessante Geschichten und kleine Geheimnisse zu entdecken.

Barock-Theater und China-Schloss

Drottningholm beherbergt eines der ältesten Barocktheater Europas, das auf das Jahr 1766 zurückgeht. 1922 wurde es aufwendig renoviert, ohne dass es seinen ursprünglichen Charme verloren hat. So sind die originale Bühnentechnik und zahlreiche Bühnenbilder erhalten geblieben. Das „Kina Slott“ ist eine weitere Besonderheit der schwedischen Königsresidenz. Es handelt sich um einen Pavillon, dessen Bauweise von der im 18. Jahrhundert modernen fernöstlich-exotischen Architektur inspiriert wurde. Ganz nach den chinesischen Vorbildern zieren ein ausladendes Pagodendach, Seidentapeten und Lackmöbel dieses „Lustschlösschen“. Das Interieur zeigt eine der schönsten Einrichtungen mit Rokokoelementen und Chinoiserien europaweit.

Mit der Übernahme durch den Staat wurde auch die Sammlung des Chinaschlösschens katalogisiert und überwiegend an ihren Originalplätzen belassen. Damit ist dieses Schlösschen ein authentisches Beispiel für die im 18. Jahrhundert populäre Chinoiserie. Das „China-Schloss“ in seiner heutigen Form besteht seit 1769 und befindet sich einem Teil des Schlossparks, der weniger durch die typisch barocken Zirkelflächen auffällt. Das Interieur weist ebenso wie das Hauptschloss Rokoko-Elemente auf.

Der Schlosspark ist mit zahlreichen Bronze-Skulpturen des Künstlers Adriaen de Vries dekoriert, einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit. Diese ansehnlichen Kunstwerke sind jedoch nicht auf legalem Weg nach Schloss Drottningholm gelangt, da es sich um Kriegsbeute aus dem 17. Jahrhundert handelt. Im Gasthof Drottningholm Wärdhus im alten Dragonerstall des Schlosses ist eine große Sammlung dieses Künstlers zu bewundern.

Wie kommt man hin?

Besucher gelangen mit sogenannten Pendelbooten auf die Insel. Mit ein bisschen Glück bringt die MS Enköpig die Schlossgäste zu ihrem Ziel. Das Passagierschiff stammt aus dem Jahr 1868 und ist damit der älteste Vertreter seiner Zunft. Drottningholm ist eines der beliebtesten Ausflugsziele in Stockholm. Jedes Jahr besuchen ungefähr 700.000 Menschen die schwedische Königsresidenz. Trotzdem sind die Wartezeiten mit zehn Minuten selbst in der Hauptsaison recht kurz.

Das Schloss ist zu jeder Jahreszeit ein schönes Ausflugsziel. Touristen-Führer empfehlen jedoch Mai als optimale Zeit, denn bei sonnigem Wetter erscheint Schloss Drottningholm noch majestätischer und der Schlosspark steht bereits in voller Blütenpracht. Die wunderschönen Kaskaden im französischen Barockstil und zahlreichen Skulpturen kommen bei Sonnenwetter noch besser zur Geltung. Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass zu dieser Zeit noch nicht so viel Besucher da sind wie in der Hauptsaison.

Fazit

In erster Linie ist Drottningholm ein wunderschönes Barockschloss, aber das ist längst nicht alles. Äußerlich wirkt die schwedische Königsresidenz wie ein klassisches Barockschloss, von denen es viele gibt. Bedingt durch die Geschichte und die verschiedenen Bauphasen unterschiedlicher Schlossherrn ist die Architektur jedoch besonders interessant und hebt sich von vergleichbaren Bauwerken ab. Bei näherem Hinsehen bietet das Schloss mehrere Sehenswürdigkeiten auf einmal, denn zusammen mit Barock-Theater, Schlosspark und China-Schloss bildet der königliche Wohnsitz ein besonderes Ensemble, das nicht nur für Freunde der Architektur und Geschichte interessant ist.